Die Historie des Reiterverein Lippborg-Unterberg e.V.

Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts war es eine bewegte Zeit in der viel im Umbruch gewesen ist. Auch im Pferdesektor war gerade 1926 das Gründungsjahr ganz vieler Reitvereine die heute noch Bedeutung haben wie bspw. RuFV Wiesbaden (Pfingstturnier) und der CHI Genf. Aber auch im unmittelbaren westfälischen Umland wurden Vereine gegründet wie bspw. in Oelde, Milte-Sassenberg und Lippborg.

Die vielen Vereinsgründung in dieser Zeit kamen nicht von ungefähr. War der Pferdebestand bis 1925 zwar noch relativ konstant mit 3,9 Mio. (Deutsches Reich) sank er aber vor allem in den städtischen und in der Folge in den ländlichen Regionen. Gründe hierfür waren: Das Militär fiel als Massenaufkäufer junger Pferde aus. Hinzu kam die einsetzende Motorisierung und Mechanisierung in Verkehr und Landwirtschaft, die den Absatz von Pferden reduzierte.

Der Hippologe Gustav Rau hatte eine geniale Idee entwickelt, wie man den drastischen Rückgängen in der Pferdezucht entgegnen konnte: Was braucht man, wenn man Reitsport betreiben will? Pferde. Also propagierte er landauf und landab die Gründung von Reitvereinen und begeisterte besonders die Kinder der Bauernfamilien für den Pferdesport. Rau entfachte so den ersten Reitsportboom in Deutschland.

 

Gründung des RV Lippborg 1926:

Auch in Lippborg scharte der pferdebegeisterte Gutsbesitzer Bernhard Nolle am 23.9.1926 Gleichgesinnte um sich zwecks Gründung eines Reitervereins. Es wurde der Beschluss gefasst, daß der Reit- und Fahrverein Lippborg unter Anschluss an den Kreisverein gegründet wird. Bernhard Nolle wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt; Stellvertretender Vorsitzender wurde Anton Hase, Schriftführer Adolf Heidhues und Kassenführer Ferdinand Schulze-Höninghaus. Der Verein wurde sodann am 2.2.1927 in den damaligen Kreisreiterverband Beckum aufgenommen.

Der Verein machte sportlich von sich Reden und der damalige Höhepunkt war die Teilnahme am Provinzialturnier in Dortmund:

„ Protokoll von 1927 heißt es: Provinzialturnier Dortmund (eine wahre Expedition)
Noch heute leuchten die Augen der damals Beteiligten! Anmarsch zu Fuß, d.h. insgesamt mehrere Tage, außerdem kann man nicht tgl. reiten nach Dortmund.
Der Reitlehrer Herr Hettling inspiziert vorher die Stallungen; Anmarsch zu Fuß hat 2 Tage vorher zu erfolgen, damit die Pferde genügend ausgeruht in die Prüfungen gehen können.
Insgesamt waren die Reiter eine Woche unterwegs.

Ferner nahmen die aktiven Reiter (nur Männer!) an Vielseitigkeits-, Dressur- und Springprüfungen erfolgreich teil.

Die Zeit der NS-Diktatur führte auch in Lippborg zum Erlischen des Vereinsleben – der Reiterei bleib man aber treu – im Rahmen der Möglichkeiten in den Kriegszeiten! Das letzte Turnier vor dem Krieg fand 1939 in Wadersloh statt. Die aktiven Reiter wurden in jener Zeit in den SA-Reitersturm überführt.

Nach dem Krieg trafen sich erstmalig am 29.5.1947 20 Reiter zu einem Geländeritt der letztlich zur Neugründung des Zucht-, Reit- und Fahrvereins Lippborg am 3.7.1947 führte. Vorsitzender Ferdinand Schulze-Hönighaus; Stellv. Vorsitzender: Adolf Heidhues, Schriftführer: Franz Hahues.

Graf von Galen war auch für unseren Lippborger Verein von Bedeutung; der Graf stellte den „Reitplatz“ kostenlos zur Verfügung; bis 1991 konnten wir auf seinem Land am Haus Assen das Reitturnier und die Fuchsjagden durchführen. Den Ehrenvorsitz bekleidete 1926 Graf Franz v. Galen und Graf Bernhard von Galen war Ehrenmitglied.
Und auch auf unserer Standarte ist der Einfluss des Hauses Galen noch deutlich zu erkennen!

Mit der kommunalen Neugliederung im Jahr 1975 erhielt der Reiterverein den Namen RV Lippborg-Unterberg e.V. und blieb damit dem Kreisreiterverband treu.